Interview mit dem Finanzminister

25. Juli 2009

„Der Andreapolitaner“ im Interview mit

dem Finanzminister Valentin Kästner


Von Melanie Zhang

Wie sieht der Aufgabenbereich eines Finanzministers aus?

Als Finanzminister bin ich in erster Linie natürlich für unsere Währung, den Andron, zuständig und selbstverständlich für den Staatshaushalt. Welcher Beamte wie viel verdient ist ebenfalls meine Aufgabe, ebenso wie die Frage, woher das dafür benötigte Geld kommt.

Außerdem gehört die Verwaltung der Projektkasse – also der Euros – zu meinem Aufgabengebiet, wenngleich dies in erster Linie mein Staatssekretär Sebastian Schneider übernimmt, da über ihn das Bankkonto läuft.

Welche Pläne haben Sie, die Sie während des Projekts verwirklichen wollen?

Natürlich allen voran den Haushaltsplan. Es war ein Haufen Arbeit diesen zu erstellen, weil wir auch sehr viele Unbekannten hatten, was uns die Kalkulation in keinster Weise erleichterte. Wenn dieser jedoch nur ansatzweise mit dem tatsächlichen Haushalt während des Projekts übereinstimmt, dann würde dies auch einen beträchtlichen Teil zu einem weiteren Plan beisteuern, den es umzusetzen gilt: die Inflationsverhinderung – ein Problem mit dem bisher jedes SaS-Projekt zu kämpfen hatte.

Sie sind zuverlässig das zu schaffen?

Wir sollten jedenfalls mit dieser Zielsetzung in das Projekt einsteigen!

Wie beurteilen Sie die Vorarbeit der Organisation, sehen Sie irgendwelche Probleme?

Größtenteils wurde gute Arbeit geleistet, allerdings wurden teilweise Sachen auch ein wenig liegen gelassen, und diese mussten dann jetzt in der Schlussphase noch hektisch bewältigt werden.

Ich denke da zum Beispiel an die Homepage: Man hätte eventuell schon im Vorfeld gewisse Ausschüsse bilden müssen, die sich konkret darum kümmern, damit es nachher nicht an einer Person hängen bleibt und diese es dann innerhalb von wenigen Tagen erledigen muss.

Konkret bei der Finanzpolitik wurde schon sehr gute Vorarbeit durch den AK Verwaltung geleistet.

Die Inflation ist ein altbekanntes Problem bei SAS-Projekten, wie Sie schon erwähnten, besonders am letzten Tag. Wie schätzen Sie die Lage in Andreapolis ein?

Ich hoffe, es ist nicht inflationär im Sinne des Geldes, nämlich dass es zuviel Geld auf dem Markt gib, sondern ich gehe eher davon aus, dass es letztendlich daran liegen wird, dass die Andreapolitaner am letzten Tag nicht mehr so viel Lust am Arbeiten haben, da sowieso nicht mehr der große Besucherandrang besteht und man sein Geld eventuell auch nicht mehr ausgeben kann, weil nur noch wenig Stände offen haben.

Zu Bedenken ist auch, dass das erwirtschaftete Geld sich nicht in Euros zurücktauschen lässt.

Ich bin mir sicher, dass der Andron die ersten vier Tage weitestgehend stabil bleiben wird. Allenfalls der Freitag könnte eben unser Problemkind werden, wobei ich da an die Andreapolitaner appellieren möchte, bis zum Ende durchzuhalten und allen Besuchern eine gleichbleibend hohe Vielfalt an Betrieben zu bieten.

Warum sind Sie davon überzeugt, dass die Inflation von Montag bis Donnerstag kein Problem darstellen wird? Sie als Finanzminister haben sich gewiss schon Gedanken über mögliche Lösungsansätze gemacht.

Durch die 20prozentige Umsatzsteuer, das Warenlager und die Miete sind wir in der Lage, einen Großteil des Andronzuwachses, der speziell durch die Besucher eintreten wird, wieder aus dem System zu nehmen.

Des Weiteren haben wir mit den Krediten, die bis Mittwoch wieder zurückgezahlt werden müssen, für die Betriebe nicht nur eine gute Lösung für die Anlaufschwierigkeiten dieser gefunden, sondern können auf diese Weise auch bis Mitte des Projekts wieder Geld aus dem Umlauf herausziehen, womit das anfängliche Geldniveau im Umlauf zwar größer, jedoch konstant bleiben wird.

Die ungefähre Geldmenge im Umlauf lässt sich jederzeit relativ einfach einschätzen, indem wir sämtliche Ein- und Ausgaben sorgfältig protokollieren. Natürlich kann man dies nicht immer genau sagen, schließlich ist es nicht zu verhindern, dass zum Beispiel manche Bürger oder Besucher Andronen als Andenken behalten.

Ich denke auf jeden Fall, dass wir mit einer sauberen Buchführung und intelligenter Kalkulation den Andron stabil halten werden.

Glauben Sie, dass das Projekt einen finanziellen Gewinn für die Schule einbringen wird?

Wenn nicht alles aus dem Ruder läuft, dann kann man schon davon ausgehen, dass wir am Ende Gewinn machen werden. Wie viel davon letztendlich in die Schule selber fließt und wie viel davon eventuell für karitative Zwecke genutzt wird, steht jedoch noch in den Sternen.


Kriminapolis IV. – Das Portal zur Erleuchtung

24. Juli 2009

Der abschliesenden Teil des Krimis.

Umsturzversuch vereitelt

In der Nacht spitzten sich die Ereignisse um den Tod des Studenten Johann Valentin Borsle dramatisch zu.

Unserer Zeitung wurde Bildmaterial, das offensichtlich von einem Fotohandy stammt, zugespielt. Die Bilder zeigen Ausschnitte des Jerg-Ratgeb-Altars, der sich ursprünglich bis1891 in der Herrenberger Stiftskirche befand. Auf den Bildern sind eindeutig Elemente des Wappens des Staates Andreapolis zu erkennen, beispielsweise Flügel auf der Außenseite des Altars.

Bisher verfolgte die Ermittlungskommission unter Amalarius Parzivalinger lediglich die Spur der gekreuzten Rosen. Nun jedoch legten schockierende neue Erkenntnisse zum mysteriösen Tod von Johann Valentin Borsle umstürzlerische Tendenzen im Staate Andreapolis offen. In der vergangenen Nacht wurde nach Angaben von Parzivalinger den Verdächtigen eine Falle gestellt. Bereits seit Längerem wurde im Gipskeuper unter der Stiftskirche ein Geheimgang vermutet. Die Sonderkommission um Parzivalinger hat darum in der gestrigen Nacht gegen 23.30 Uhr Einsatzkräfte um den verdächtigen Bauwagen an der Staatsgrenze und im Chorgestühl der Stiftskirche zusammengezogen. Als sich gegen 24 Uhr die Grabplatte im Chor der Stiftskirche anhob, erfolgte der Zugriff. Obwohl die mit Masken bewehrten Verdächtigen versuchten, sich in der Dunkelheit hinter den Säulen und dem Chorgestühl zu verbergen, gelang es Parzivalinger und seiner Crew sie dingfest zu machen.

In den folgenden Vernehmungen stellte sich heraus, dass eine konspirative Gruppe von Lehrern des ehemaligen AGH den Sturz des Präsidenten Christian Kretschmer und der Regierung unter Premierminister Philipp Hörlezeder plante. Bei der Durchsuchung des Lehrerzimmers wurde nicht nur die goldene Ausgabe Johann Valentin Andreaes „Christianopolis“ sichergestellt, sondern auch Flugblätter subversiven Inhalts. Die Gruppe um Tabernarius M., Creatia X. und Effodius J. hatte den Umsturz für diesen Freitag geplant. Auch sind Verbindungen zu den Parlamentsabgeordneten Caupo Y. und Pascua Z. nicht ausgeschlossen. Nur das entschlossene Vorgehen Parzivalingers hat den Staatsstreich verhindert. Der anfängliche Verdacht, bei der Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz könne es sich um jene „hochgelobte Frau“ handeln, die in dem bei dem Toten gefundenen Textfragment erwähnt wurde, erhärtete sich allerdings nicht. Hierbei, so Parzivalinger im Interview mit unserer Zeitung, handele es sich schlicht um eine Allegorie der Weisheit. Auch der Mord an dem Studenten Johann Valentin Borsle hatte mit den revolutionären Umtrieben nichts zu tun, sondern erwies sich aktuellen Untersuchungen zu Folge, als tragischer Unfall. Allerdings können, so Parzivalinger, Verbindungen zur Lehrerclique, die bewusst falsche Fährten legten, noch nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Die Untersuchungen der brutalen Ermordung des Häsle Artus, das möglicherweise Zeuge eines Verbrechens wurde,  dauern an.

Die verdächtigen Lehrer gaben im Verhör an, den Machtverlust im Staate Andreapolis nicht hinnehmen zu können. Ihren Widerstand rechtfertigten sie mit einem Zitat aus der genannten Schrift Andreaes: „Die Erzieher entstammen nicht dem Bodensatz der Gesellschaft, oder taugen zu nichts anderem, sondern sind besonders auserlesene Bürger, die eine angesehene Stellung im Staat haben und auch häufig zu den höchsten Ämtern gelangen.“ Die Verdächtigen werden nun entsprechend den Gesetzen des Staates Andreapolis ihrer gerechten Strafe zugeführt. Tristan Lenz


Fotos der vergangenen zwei Tage

24. Juli 2009

Beim Gäuboten finden Sie die Fotos vom Dienstag und Mittwoch der Projektwoche.


Kriminapolis III. – Das Portal zur Erleuchtung

23. Juli 2009

Fassungslosigkeit in Andreapolis: Artus ertrunken aufgefunden

Unsere Reporter berichten vor Ort.

Die Ereignisse im Staat Andreae überschlagen sich. Längst zieht der Mord an des Studenten Johann Valentin Borsle Kreise bis in die höchste Ebene des Staates. Gestern wurde erschreckend klar, dass auch die „unschuldig hoppelnde Tierwelt“, so eine Vertreterin der Tier-AG des untergegangenen AGH, in die Auseinandersetzungen verstrickt ist. Häsle Artus wurde tot in der blauen Wasser-Auffang-Plane unter der Decke im zweiten Stock des Regierungsgebäudes aufgefunden. Die naheliegende Vermutung, dass er während der schweren Regenfälle der letzten Tage ertrunken ist, erklärt jedoch nicht, wie er in die Plane gelangen konnte. Konnte er die sechs Sicherheits-Auffang-Putzeimer als Steighilfe einsetzen? Nicht von der Hand zu weisen ist der Verdacht, dass nun innerhalb unseres Staatsgebietes, direkt vor unseren Augen ein zweiter Mord, stattgefunden hat, der mutmaßlich in Zusammenhang mit dem heimtückischen Verbrechen im benachbarten Herrenberg zu tun hat. Welche Indizien sprechen dafür? Animalia aus der Tierpflege AG ist sich sicher „Unser Häsle Artus hätte niemals an einer roten Rose gerochen, geschweige denn an einem Rosenstängel genagt“. Und just eine solche rote Rose war zwischen dessen Zähnen gefunden worden. Manche Bürger, die sich in Gummistiefeln an den Tatort gewagt haben, unterdrücken nur mühsam die Tränen. Es herrscht Fassungslosigkeit, als Herr Pulso Stoccatus nach einer Obduktion den Verdacht bestätigen muss: Es war Mord, heimtückischer Mord an Häsle Artus. Der Verdacht des Zusammenhangs zur geheimen Rosenaktion und der obskuren Symbolsprache beim Borsle-Mord erhärtet sich.

Eine zweite Meldung dürfte in diesem Zusammenhang bedeutsam sein. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben Kinder von Andreapolis verschiedene Lehrerstimmen unter dem Bauwagen an der Staatsgrenze vernommen. Sie berichteten von einem Gang in den Nachbarstaat, den sie dort entdeckt hätten. Hier, so der Chefermittler Parzivalinger, mag es eine Verbindung zu den Ereignissen der letzten Tage geben. Er möchte die jüngeren Staatsbürger aber eindringlich davor warnen, auf eigene Faust weitere Erkundungen einzuholen. In den heutigen Zeiten sei die Sicherheit der Staatsbürger wichtiger denn je, mahnte er weiter, schließlich könnten nach vorsichtiger Einschätzung der aktuellen Lage weitere Verbrechen nicht ausgeschlossen werden. Tristan Lenz


SAS-Portrait: Bärbel Kranert, eine Mutter, die Andreapolis stützt

22. Juli 2009
Besprechung mit dem Orga-Team

Bärbel Kranert bespricht sich mit dem Organisationsteam Foto: Beger

Fäden spinnen, Spuren bahnen, Kontakte knüpfen und vermitteln, mit ins Boot nehmen, vorausdenken und nachhaken, Gespräche führen, selbst in die Hand nehmen oder in die richtigen Hände geben … Die sprachlichen Bilder, die sie für ihre Aufgaben findet, lassen die Tatkraft schon erahnen, mit der sich Bärbel Kranert in das Projekt ‚Schule als Staat’ einbringt. Über ihre vier Kinder ist sie mit dem Andreae-Gymnasium verbunden. Der Älteste hat es gerade mit Abitur verlassen,  der Jüngste mischt mit seinen 14 Jahren noch kräftig mit, so auch im Projekt, wenn er dann Crepes und Waffeln verkaufen wird, die beiden Mädels bringen sich im Warenlager, bei der Pressearbeit und beim Smoothies mixen ein.

Bärbel Kranert erzählt zuhause beim Cappuccino, wo sich seit Anfang 2008 schon viele Arbeitsgruppen und Initiativen getroffen haben und  -Schule als Staat- auf den Weg gebracht wurde.

Die Motivation für ihr Engagement entspringt nicht etwa dem Amt der Elternvertretung – diese Funktion hatte sie nach ihrem Dafürhalten lange  inne – sie meldete sich für die Teilnahme am Projekt zusammen mit Horst Ohmenzetter, weil sie gespannt war auf Schüler, die sich „jetzt einmal in anderen Rollen ausprobieren dürfen und Qualitäten zeigen, die während des normalen Schulalltags keiner sieht und die auch kein Lehrstoff sind“. Die Kommunikation zwischen den drei am Schulleben beteiligten Gruppen( Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern )und zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen, das ist für Bärbel Kranert Sinn, aber auch schwierigste Aufgabe des Projekts.

Sie brachte sich von Anfang an ins Plenum ein, eine Organisationsgruppe, die die Idee des gemeinsamen Staates nach und nach auf feste Grundlagen stellen konnte.

Das war nicht so einfach, mal waren bei den Besprechungen kaum Schüler, mal kaum Lehrer anwesend, es gab Personalwechsel in den Arbeitsgruppen und in zentralen Funktionen, Unklarheiten und Wirrwarr in den Kompetenzen. Doch, und hier spürt man Lob und Begeisterung bei Bärbel Kranert, „alle Beteiligten haben ständig dazugelernt, ihre Aufgaben perfektioniert und optimiert“. Die Organisation der komplexen Aufgabe, ein Staatswesen ins Leben zu rufen, wurde zunehmend straffer, auch effizienter. „Wie die Schüler dann noch schnell eine Stunde vor der Staatsausrufung auf dem Marktplatz die Enthüllung der Flagge organisiert, dann auch die selbstkomponierte Hymne vorgetragen haben – toll!“ Da macht’s ihr auch Spaß mitzuhelfen, und sie sucht dann auf die Schnelle Sicherheitsnadeln und Schnur für das Gelingen dieses Staatsakts.

Nach außen kaum sichtbar, griff Bärbel Kranert in verschiedenen Feldern ein. Sie informierte die Elternschaft, fragte über einen Eltern-Fragebogen deren Kompetenzen und Beteiligungsmöglichkeiten ab, wie das Bereitstellen von Kühlschränken, Fahrzeugen oder Know how. Eine Familie verleiht zum Beispiel Bauzäune und ein Vater holt die Mülltonnen in Böblingen ab. Andere Eltern helfen gerne auf Abruf, wobei die Schüler und Schülerinnen das Meiste doch selbst bewältigt haben, mit tatkräftiger Unterstützung einiger Lehrer/innen.

Nun erwähnt Bärbel Kranert die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, auch eine Verbindung, die sie von Anfang an pflegte. Im Keller des Hauses der Familie Kranert wurden die von der Stadt gestellten Wahlurnen zwischengelagert. Neulich hat sie mit der Stadt kreative Lösungen für das Beschweren der Zeltstangen gefunden.

Fazit von Bärbel Kranert: Das wichtigste sei, dass die Kommunikation gesucht wird und man sie nicht abreißen lässt. „Es gibt immer Leute, die als Experten weiterhelfen können. Man muss die Hilfe auch annehmen“, resümiert sie , „ so spart man sich viel Kraft und Energie, die man  woanders einsetzen kann“.

Am Esstisch in ihrem Haus führte sie wiederholt Experten mit Schülern zusammen. Tipps zur Pressearbeit gab es von einem Werbefachmann, bei der Buchführung konnten zwei Mütter helfen und im Kreis der Finanzmanager fragte man sich: Wie viel Geld wird in welcher Stückelung gedruckt? Welcher Umtauschsatz soll gelten? Wie verhindert man eine Inflation? Auch ein Logistikfachmann ist unter den Eltern.

Die Parallelen von Projekt und bundesrepublikanischer Wirklichkeit drängen sich Bärbel Kranert auf, sie spricht wiederholt vom „Mikrokosmos der Gesellschaft“. Hier wie dort gebe es „Macher“, einen stillen, arbeitenden Mittelbau und „einen kleinen Teil in der Gesellschaft, der das Ganze nicht ernst nimmt, sich selbst ‚rausnimmt’ oder sogar alles torpediert“. Diese letzte Erfahrung hat das Andreae-Gymnasium schon früh gemacht, als die Wahl des Parlaments durch Fälschungsversuche gestört werden sollte. Damals schlüpfte Bärbel Kranert konsequent in die Rolle einer unabhängigen Wahlbeobachterin.

Auch im gesellschaftlichen Zusammenleben des entstehenden Andreapolis sieht Bärbel Kranert einen Mikrokosmos unserer Gesellschaft, etwa im geringen Anteil der nach außen präsenten Frauen oder im Anteil der Arbeitslosen. In Andreapolis sind etwa 10 Prozent der Lehrer und Schüler ohne Beschäftigungsverhältnis. Doch hier wird schon gegengesteuert, indem staatliche Beschäftigungsprogramme (am Spülmobil, als Zeitungsverkäufer, im Warenlager, in Umweltdiensten…) durchgesetzt werden. Bei erfolgreicher Vermittlung wäre für Kranert das wichtigste Ziel erreicht, nämlich das Mitmachen von allen am Schulleben Beteiligten. Wenn dann noch Lust, Freude und eine Portion Spaß am Ausprobieren dazukommt, zudem ein großer Zulauf an Besuchern … , schon wieder glänzen die Augen der rührigen Visionärin.

Länger überlegt sie schon, wenn sie sich den Worst Case vor Augen führen soll. „Für mich wäre es, wie gesagt, schlimm, wenn ein paar Schüler nicht wirklich mitziehen und stören“, auch passive Lehrer wären „ sehr schade“. Als zweites Szenario kommt ihr „Geldmangel“ in den Sinn. Doch „eigentlich dürfte das nicht passieren“, obwohl der Rücklauf aus dem Sponsoring in dieser Wirtschaftslage deutlich schlechter war als erhofft. Ihr ist wichtig, dass erwirtschafteter Gewinn in soziale Projekte fließt.

Schon jetzt sieht sie im Projekt ‚Schule als Staat’ große Lerneffekte für die Schüler: Zunächst Ausprobieren und die Geduld aufbringen, es noch einmal anders zu versuchen – Verlässlichkeit zeigen – Pünktlichkeit zusichern und einklagen – Verantwortung übernehmen – das Gespräch mit unterschiedlichen Personen suchen – Projektschritte planen – schnelle Entscheidungen treffen – delegieren. Diese Aufzählung sprudelt aus Bärbel Kranert ohne Nachdenken heraus.

Damit man auch in Zukunft von den Erfahrungen des Projektmanagements profitiert und auch das bunte andreapolitanische Treiben nacherlebt werden kann, ja deshalb sucht sie schon wieder die Leute, Material und Gerätschaften für eine Dokumentationsgruppe. Willkommen im Netzwerkhaus von Bärbel Kranert!

Isolde Wahl


Kriminapolis II. – Das Portal zur Erleuchtung

22. Juli 2009

Des Krimis zweiter Teil!

Rätselraten um den Toten

„Noch ist alles denkbar“, so umschrieb Sonderermittler Amalarius Parzivalinger beim Besuch in unserer Redaktion den derzeitigen Stand der Ermittlungen. Die Glöcknerin der Stiftskirche Herrenberg, Agathonike Rosenkreuz, sei unter Verdacht der Falschaussage in Beugehaft genommen worden. Ihre Aussage, sie habe, nachdem sie den Turmbläsern die dritte Runde Zwetschgen-Schnäpsle hochgebracht habe, lediglich wie immer den Spruch der ‚Gloriosa’* poliert, konnte von den Turmbläsern so nicht bestätigt werden. Ein Zeuge hätte dagegen von lauten männlichen Stimmen und Stöhnen in der Nähe der Schiedglocke berichtet, so der Chefermittler. Spezialisten der Staatspolizei Andreapolis haben die Spurensuche vom Innern der Stiftskirche inzwischen auch auf den absinkenden Untergrundkeuper ausgeweitet. Wieder hielt sich Parzivalinger in punkto Untersuchungsergebnisse bedeckt. Lediglich das Amtshilfeersuchen an Frau Violina Fabrefacia, deren „jagdscharfe Augen und zur Nachahmung geschickte Hände“ übers Gäu bekannt seien, und die Zusammenarbeit mit der Historischen-Gymnasial-Gesellschaft (HGGH) räumte er auf Nachfrage ein. Gerade die Letztgenannten seien als erfahrene Gutachter „menschlicher Tragödien“ von unschätzbarem Wert. Dass sich zwischen dem Studenten und der wunderschönen Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz eine solche abgespielt haben könnte, sei in Anbetracht der im Glockenaufgang verstreuten Rosenblätter und Taschentücher zu vermuten. Eine weitere Spur führe ins Dienstleistungszentrum des andreapolitanischen Staatswesens. So werde derzeit die Herkunft der Heftpflaster verfolgt. Eine Beteiligung der Sani-AG, die durch Hymnen-Singen möglicherweise eine falsche Spur legen wolle, sei nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen nicht auszuschließen. Leider musste Parzivalinger unsere Redaktion vorzeitig verlassen, da die seit Tagen anhaltenden Unruhen auf dem Platz der Republik sein sofortiges Eingreifen erforderlich machten.

Nach Recherchen unserer Zeitung am mutmaßlichen Ort des Verbrechens wies lediglich die Schiedglocke einen deutlich polierten Spruch auf. Der Spruch ist vorwärts und rückwärts zu lesen. Die Glocke stammt aus dem 15. Jahrhundert. Gibt es hier Zusammenhänge zur Schrift Andreaes? Eine Nachfrage beim Archivarius des benachbarten Staates Herrenberg konnte diese Frage nicht klären, förderte jedoch einige interessante Details zutage, die das Bild der Auferstehung im Jörg –Ratgeb-Altar betreffen: Im rechten Flügel, Szene innen, ist in der linken unteren Ecke eine gekreuzte Rose – wir berichteten – zu sehen. Könnte es sich bei der Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz um eine Nachfahrin von Johann Valentin Andreae handeln? Was hat die jährlich stattfindende geheime Rosenaktion im Staat Andreapolis damit zu tun? Welche Absicht steckt hinter dem vertauscht eingepassten Chorgestühl in der Stiftskirche? In welcher Beziehung steht das hölzerne Bild der behaarten Frau zu der nackten Brust des Studenten? Der Fall scheint sich zu einer Staatsaffäre auszuweiten.

Unsere Staatsbeamten sind gut beraten, die Fragen schnellstmöglich zu klären, andernfalls mag die Sicherheit im Staat Andreapolis nur schwer aufrecht zu erhalten sein. Tristan Lenz

*Zur Information für unsere Leser außerhalb des Staates Andreapolis: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“


Kriminapolis I. – Das Portal zur Erleuchtung

21. Juli 2009

Hier wird jeden Tag ein neuer Teil erscheinen.

Sturz in den Tod an der Stiftskirche

Noch im Dunkeln liegen die rätselhaften Umstände des Todes eines jungen Tübinger Studenten, der am Montagabend im befreundeten Herrenberg auf der Plattform der Stiftskirche aufgefunden wurde. Wie bereits in unserer Internetausgabe (http://www.andreapolitaner.de) gestern nachzulesen war, lagen zu Füßen des jungen Mannes, der offensichtlich vom Turm der Stiftskirche gestürzt ist, zwei gekreuzte rote Rosen. Mehrere Zeugen, darunter auch Bürger aus Adreapolis, berichteten vom Läuten der ‚Gloriosa’ gegen 16 Uhr, der mutmaßlichen Tatzeit.

Heute musste Amalarius Parzivalinger, Chefermittler der inzwischen aus Andreapolitanern und Herrenbergern eingerichteten Sonderkommission, in der Pressekonferenz einräumen, dass weder die Umstände des Todes, noch die Identität des Toten eindeutig geklärt sind. Unter dem Hemd des Toten fand sich neben dem Studentenausweis der Eberhardt-Karls-Universität auch ein Sondervisum für den Staat Andreapolis, das laut Visabehörde nur einem ausgewählt kleinen Personenkreis ausgestellt werde, da mit dieser Karte die Zugangsberechtigung zu allen Gremien, Räumen und Konten des Staates verbunden sei. Möglicherweise haben Unregelmäßigkeiten oder eine Fälschung zur Ausstellung auf den Namen „Johann Valentin Borsle“ geführt. Als „obscur“ bezeichnete Parzivalinger zudem den Umstand, dass dem jungen Mann die, im Buchhandel übrigens nicht erhältliche, goldene Ausgabe der Utopie „Christianapolis“ des Johann Valentin Andreae mit Pflastern auf die nackte Brust geklebt war. Parzivalinger versicherte, jedem noch so kleinen Hinweis nachgehen zu wollen. Deshalb zitierte er eine der drei mit rotem Marker angestrichenen Stellen aus diesem Text von1619:

„… gefällt ihnen doch der Betrug, und sie wollen lieber ungereimte Fabeln hören als wahre Geschichten, die zu ihrem Herzen passen. Wehe über die freiwillige Blindheit, den willentlichen Wahn! Zwischen Leichen träumen sie von der Unsterblichkeit, im Dunkeln von hellem Licht, im Verbrechen vom ehrbaren Leben, mit gefesselten Füßen von Schwingen und was nicht sonst noch.“ Anschließend werde darüber geklagt, dass die Zahl der Toren nirgends größer und unerträglicher sei, als dort, wo man die Weisheit verkünde. Auf die Nachfrage eines Journalisten aus Tübingen, ob die Stätte der Weisheit auf Herrenberger oder auf Andreopolitanischem Staatsgebiet vermutet werde, musste Parzivalinger zugeben, dass hier die Ermittlungen erst am Anfang stünden. Dagegen verfolge man schon eine konkrete Spur jene „hochgelobte Frau“ betreffend, deren Güte in der Schrift ausdrücklich betont werde. Man untersuche derzeit deren mögliche Beziehung zum Opfer. Aus ermittlungstechnischen Gründen könne er der Öffentlichkeit jedoch noch nichts Genaueres mitteilen. Tristan Lenz