Kriminapolis I. – Das Portal zur Erleuchtung

Hier wird jeden Tag ein neuer Teil erscheinen.

Sturz in den Tod an der Stiftskirche

Noch im Dunkeln liegen die rätselhaften Umstände des Todes eines jungen Tübinger Studenten, der am Montagabend im befreundeten Herrenberg auf der Plattform der Stiftskirche aufgefunden wurde. Wie bereits in unserer Internetausgabe (http://www.andreapolitaner.de) gestern nachzulesen war, lagen zu Füßen des jungen Mannes, der offensichtlich vom Turm der Stiftskirche gestürzt ist, zwei gekreuzte rote Rosen. Mehrere Zeugen, darunter auch Bürger aus Adreapolis, berichteten vom Läuten der ‚Gloriosa’ gegen 16 Uhr, der mutmaßlichen Tatzeit.

Heute musste Amalarius Parzivalinger, Chefermittler der inzwischen aus Andreapolitanern und Herrenbergern eingerichteten Sonderkommission, in der Pressekonferenz einräumen, dass weder die Umstände des Todes, noch die Identität des Toten eindeutig geklärt sind. Unter dem Hemd des Toten fand sich neben dem Studentenausweis der Eberhardt-Karls-Universität auch ein Sondervisum für den Staat Andreapolis, das laut Visabehörde nur einem ausgewählt kleinen Personenkreis ausgestellt werde, da mit dieser Karte die Zugangsberechtigung zu allen Gremien, Räumen und Konten des Staates verbunden sei. Möglicherweise haben Unregelmäßigkeiten oder eine Fälschung zur Ausstellung auf den Namen „Johann Valentin Borsle“ geführt. Als „obscur“ bezeichnete Parzivalinger zudem den Umstand, dass dem jungen Mann die, im Buchhandel übrigens nicht erhältliche, goldene Ausgabe der Utopie „Christianapolis“ des Johann Valentin Andreae mit Pflastern auf die nackte Brust geklebt war. Parzivalinger versicherte, jedem noch so kleinen Hinweis nachgehen zu wollen. Deshalb zitierte er eine der drei mit rotem Marker angestrichenen Stellen aus diesem Text von1619:

„… gefällt ihnen doch der Betrug, und sie wollen lieber ungereimte Fabeln hören als wahre Geschichten, die zu ihrem Herzen passen. Wehe über die freiwillige Blindheit, den willentlichen Wahn! Zwischen Leichen träumen sie von der Unsterblichkeit, im Dunkeln von hellem Licht, im Verbrechen vom ehrbaren Leben, mit gefesselten Füßen von Schwingen und was nicht sonst noch.“ Anschließend werde darüber geklagt, dass die Zahl der Toren nirgends größer und unerträglicher sei, als dort, wo man die Weisheit verkünde. Auf die Nachfrage eines Journalisten aus Tübingen, ob die Stätte der Weisheit auf Herrenberger oder auf Andreopolitanischem Staatsgebiet vermutet werde, musste Parzivalinger zugeben, dass hier die Ermittlungen erst am Anfang stünden. Dagegen verfolge man schon eine konkrete Spur jene „hochgelobte Frau“ betreffend, deren Güte in der Schrift ausdrücklich betont werde. Man untersuche derzeit deren mögliche Beziehung zum Opfer. Aus ermittlungstechnischen Gründen könne er der Öffentlichkeit jedoch noch nichts Genaueres mitteilen. Tristan Lenz


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