Kriminapolis II. – Das Portal zur Erleuchtung

Des Krimis zweiter Teil!

Rätselraten um den Toten

„Noch ist alles denkbar“, so umschrieb Sonderermittler Amalarius Parzivalinger beim Besuch in unserer Redaktion den derzeitigen Stand der Ermittlungen. Die Glöcknerin der Stiftskirche Herrenberg, Agathonike Rosenkreuz, sei unter Verdacht der Falschaussage in Beugehaft genommen worden. Ihre Aussage, sie habe, nachdem sie den Turmbläsern die dritte Runde Zwetschgen-Schnäpsle hochgebracht habe, lediglich wie immer den Spruch der ‚Gloriosa’* poliert, konnte von den Turmbläsern so nicht bestätigt werden. Ein Zeuge hätte dagegen von lauten männlichen Stimmen und Stöhnen in der Nähe der Schiedglocke berichtet, so der Chefermittler. Spezialisten der Staatspolizei Andreapolis haben die Spurensuche vom Innern der Stiftskirche inzwischen auch auf den absinkenden Untergrundkeuper ausgeweitet. Wieder hielt sich Parzivalinger in punkto Untersuchungsergebnisse bedeckt. Lediglich das Amtshilfeersuchen an Frau Violina Fabrefacia, deren „jagdscharfe Augen und zur Nachahmung geschickte Hände“ übers Gäu bekannt seien, und die Zusammenarbeit mit der Historischen-Gymnasial-Gesellschaft (HGGH) räumte er auf Nachfrage ein. Gerade die Letztgenannten seien als erfahrene Gutachter „menschlicher Tragödien“ von unschätzbarem Wert. Dass sich zwischen dem Studenten und der wunderschönen Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz eine solche abgespielt haben könnte, sei in Anbetracht der im Glockenaufgang verstreuten Rosenblätter und Taschentücher zu vermuten. Eine weitere Spur führe ins Dienstleistungszentrum des andreapolitanischen Staatswesens. So werde derzeit die Herkunft der Heftpflaster verfolgt. Eine Beteiligung der Sani-AG, die durch Hymnen-Singen möglicherweise eine falsche Spur legen wolle, sei nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen nicht auszuschließen. Leider musste Parzivalinger unsere Redaktion vorzeitig verlassen, da die seit Tagen anhaltenden Unruhen auf dem Platz der Republik sein sofortiges Eingreifen erforderlich machten.

Nach Recherchen unserer Zeitung am mutmaßlichen Ort des Verbrechens wies lediglich die Schiedglocke einen deutlich polierten Spruch auf. Der Spruch ist vorwärts und rückwärts zu lesen. Die Glocke stammt aus dem 15. Jahrhundert. Gibt es hier Zusammenhänge zur Schrift Andreaes? Eine Nachfrage beim Archivarius des benachbarten Staates Herrenberg konnte diese Frage nicht klären, förderte jedoch einige interessante Details zutage, die das Bild der Auferstehung im Jörg –Ratgeb-Altar betreffen: Im rechten Flügel, Szene innen, ist in der linken unteren Ecke eine gekreuzte Rose – wir berichteten – zu sehen. Könnte es sich bei der Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz um eine Nachfahrin von Johann Valentin Andreae handeln? Was hat die jährlich stattfindende geheime Rosenaktion im Staat Andreapolis damit zu tun? Welche Absicht steckt hinter dem vertauscht eingepassten Chorgestühl in der Stiftskirche? In welcher Beziehung steht das hölzerne Bild der behaarten Frau zu der nackten Brust des Studenten? Der Fall scheint sich zu einer Staatsaffäre auszuweiten.

Unsere Staatsbeamten sind gut beraten, die Fragen schnellstmöglich zu klären, andernfalls mag die Sicherheit im Staat Andreapolis nur schwer aufrecht zu erhalten sein. Tristan Lenz

*Zur Information für unsere Leser außerhalb des Staates Andreapolis: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“

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