Kriminapolis III. – Das Portal zur Erleuchtung

23. Juli 2009

Fassungslosigkeit in Andreapolis: Artus ertrunken aufgefunden

Unsere Reporter berichten vor Ort.

Die Ereignisse im Staat Andreae überschlagen sich. Längst zieht der Mord an des Studenten Johann Valentin Borsle Kreise bis in die höchste Ebene des Staates. Gestern wurde erschreckend klar, dass auch die „unschuldig hoppelnde Tierwelt“, so eine Vertreterin der Tier-AG des untergegangenen AGH, in die Auseinandersetzungen verstrickt ist. Häsle Artus wurde tot in der blauen Wasser-Auffang-Plane unter der Decke im zweiten Stock des Regierungsgebäudes aufgefunden. Die naheliegende Vermutung, dass er während der schweren Regenfälle der letzten Tage ertrunken ist, erklärt jedoch nicht, wie er in die Plane gelangen konnte. Konnte er die sechs Sicherheits-Auffang-Putzeimer als Steighilfe einsetzen? Nicht von der Hand zu weisen ist der Verdacht, dass nun innerhalb unseres Staatsgebietes, direkt vor unseren Augen ein zweiter Mord, stattgefunden hat, der mutmaßlich in Zusammenhang mit dem heimtückischen Verbrechen im benachbarten Herrenberg zu tun hat. Welche Indizien sprechen dafür? Animalia aus der Tierpflege AG ist sich sicher „Unser Häsle Artus hätte niemals an einer roten Rose gerochen, geschweige denn an einem Rosenstängel genagt“. Und just eine solche rote Rose war zwischen dessen Zähnen gefunden worden. Manche Bürger, die sich in Gummistiefeln an den Tatort gewagt haben, unterdrücken nur mühsam die Tränen. Es herrscht Fassungslosigkeit, als Herr Pulso Stoccatus nach einer Obduktion den Verdacht bestätigen muss: Es war Mord, heimtückischer Mord an Häsle Artus. Der Verdacht des Zusammenhangs zur geheimen Rosenaktion und der obskuren Symbolsprache beim Borsle-Mord erhärtet sich.

Eine zweite Meldung dürfte in diesem Zusammenhang bedeutsam sein. Wie erst jetzt bekannt wurde, haben Kinder von Andreapolis verschiedene Lehrerstimmen unter dem Bauwagen an der Staatsgrenze vernommen. Sie berichteten von einem Gang in den Nachbarstaat, den sie dort entdeckt hätten. Hier, so der Chefermittler Parzivalinger, mag es eine Verbindung zu den Ereignissen der letzten Tage geben. Er möchte die jüngeren Staatsbürger aber eindringlich davor warnen, auf eigene Faust weitere Erkundungen einzuholen. In den heutigen Zeiten sei die Sicherheit der Staatsbürger wichtiger denn je, mahnte er weiter, schließlich könnten nach vorsichtiger Einschätzung der aktuellen Lage weitere Verbrechen nicht ausgeschlossen werden. Tristan Lenz

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Kriminapolis II. – Das Portal zur Erleuchtung

22. Juli 2009

Des Krimis zweiter Teil!

Rätselraten um den Toten

„Noch ist alles denkbar“, so umschrieb Sonderermittler Amalarius Parzivalinger beim Besuch in unserer Redaktion den derzeitigen Stand der Ermittlungen. Die Glöcknerin der Stiftskirche Herrenberg, Agathonike Rosenkreuz, sei unter Verdacht der Falschaussage in Beugehaft genommen worden. Ihre Aussage, sie habe, nachdem sie den Turmbläsern die dritte Runde Zwetschgen-Schnäpsle hochgebracht habe, lediglich wie immer den Spruch der ‚Gloriosa’* poliert, konnte von den Turmbläsern so nicht bestätigt werden. Ein Zeuge hätte dagegen von lauten männlichen Stimmen und Stöhnen in der Nähe der Schiedglocke berichtet, so der Chefermittler. Spezialisten der Staatspolizei Andreapolis haben die Spurensuche vom Innern der Stiftskirche inzwischen auch auf den absinkenden Untergrundkeuper ausgeweitet. Wieder hielt sich Parzivalinger in punkto Untersuchungsergebnisse bedeckt. Lediglich das Amtshilfeersuchen an Frau Violina Fabrefacia, deren „jagdscharfe Augen und zur Nachahmung geschickte Hände“ übers Gäu bekannt seien, und die Zusammenarbeit mit der Historischen-Gymnasial-Gesellschaft (HGGH) räumte er auf Nachfrage ein. Gerade die Letztgenannten seien als erfahrene Gutachter „menschlicher Tragödien“ von unschätzbarem Wert. Dass sich zwischen dem Studenten und der wunderschönen Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz eine solche abgespielt haben könnte, sei in Anbetracht der im Glockenaufgang verstreuten Rosenblätter und Taschentücher zu vermuten. Eine weitere Spur führe ins Dienstleistungszentrum des andreapolitanischen Staatswesens. So werde derzeit die Herkunft der Heftpflaster verfolgt. Eine Beteiligung der Sani-AG, die durch Hymnen-Singen möglicherweise eine falsche Spur legen wolle, sei nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen nicht auszuschließen. Leider musste Parzivalinger unsere Redaktion vorzeitig verlassen, da die seit Tagen anhaltenden Unruhen auf dem Platz der Republik sein sofortiges Eingreifen erforderlich machten.

Nach Recherchen unserer Zeitung am mutmaßlichen Ort des Verbrechens wies lediglich die Schiedglocke einen deutlich polierten Spruch auf. Der Spruch ist vorwärts und rückwärts zu lesen. Die Glocke stammt aus dem 15. Jahrhundert. Gibt es hier Zusammenhänge zur Schrift Andreaes? Eine Nachfrage beim Archivarius des benachbarten Staates Herrenberg konnte diese Frage nicht klären, förderte jedoch einige interessante Details zutage, die das Bild der Auferstehung im Jörg –Ratgeb-Altar betreffen: Im rechten Flügel, Szene innen, ist in der linken unteren Ecke eine gekreuzte Rose – wir berichteten – zu sehen. Könnte es sich bei der Glöcknerin Agathonike Rosenkreuz um eine Nachfahrin von Johann Valentin Andreae handeln? Was hat die jährlich stattfindende geheime Rosenaktion im Staat Andreapolis damit zu tun? Welche Absicht steckt hinter dem vertauscht eingepassten Chorgestühl in der Stiftskirche? In welcher Beziehung steht das hölzerne Bild der behaarten Frau zu der nackten Brust des Studenten? Der Fall scheint sich zu einer Staatsaffäre auszuweiten.

Unsere Staatsbeamten sind gut beraten, die Fragen schnellstmöglich zu klären, andernfalls mag die Sicherheit im Staat Andreapolis nur schwer aufrecht zu erhalten sein. Tristan Lenz

*Zur Information für unsere Leser außerhalb des Staates Andreapolis: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“


Kriminapolis I. – Das Portal zur Erleuchtung

21. Juli 2009

Hier wird jeden Tag ein neuer Teil erscheinen.

Sturz in den Tod an der Stiftskirche

Noch im Dunkeln liegen die rätselhaften Umstände des Todes eines jungen Tübinger Studenten, der am Montagabend im befreundeten Herrenberg auf der Plattform der Stiftskirche aufgefunden wurde. Wie bereits in unserer Internetausgabe (http://www.andreapolitaner.de) gestern nachzulesen war, lagen zu Füßen des jungen Mannes, der offensichtlich vom Turm der Stiftskirche gestürzt ist, zwei gekreuzte rote Rosen. Mehrere Zeugen, darunter auch Bürger aus Adreapolis, berichteten vom Läuten der ‚Gloriosa’ gegen 16 Uhr, der mutmaßlichen Tatzeit.

Heute musste Amalarius Parzivalinger, Chefermittler der inzwischen aus Andreapolitanern und Herrenbergern eingerichteten Sonderkommission, in der Pressekonferenz einräumen, dass weder die Umstände des Todes, noch die Identität des Toten eindeutig geklärt sind. Unter dem Hemd des Toten fand sich neben dem Studentenausweis der Eberhardt-Karls-Universität auch ein Sondervisum für den Staat Andreapolis, das laut Visabehörde nur einem ausgewählt kleinen Personenkreis ausgestellt werde, da mit dieser Karte die Zugangsberechtigung zu allen Gremien, Räumen und Konten des Staates verbunden sei. Möglicherweise haben Unregelmäßigkeiten oder eine Fälschung zur Ausstellung auf den Namen „Johann Valentin Borsle“ geführt. Als „obscur“ bezeichnete Parzivalinger zudem den Umstand, dass dem jungen Mann die, im Buchhandel übrigens nicht erhältliche, goldene Ausgabe der Utopie „Christianapolis“ des Johann Valentin Andreae mit Pflastern auf die nackte Brust geklebt war. Parzivalinger versicherte, jedem noch so kleinen Hinweis nachgehen zu wollen. Deshalb zitierte er eine der drei mit rotem Marker angestrichenen Stellen aus diesem Text von1619:

„… gefällt ihnen doch der Betrug, und sie wollen lieber ungereimte Fabeln hören als wahre Geschichten, die zu ihrem Herzen passen. Wehe über die freiwillige Blindheit, den willentlichen Wahn! Zwischen Leichen träumen sie von der Unsterblichkeit, im Dunkeln von hellem Licht, im Verbrechen vom ehrbaren Leben, mit gefesselten Füßen von Schwingen und was nicht sonst noch.“ Anschließend werde darüber geklagt, dass die Zahl der Toren nirgends größer und unerträglicher sei, als dort, wo man die Weisheit verkünde. Auf die Nachfrage eines Journalisten aus Tübingen, ob die Stätte der Weisheit auf Herrenberger oder auf Andreopolitanischem Staatsgebiet vermutet werde, musste Parzivalinger zugeben, dass hier die Ermittlungen erst am Anfang stünden. Dagegen verfolge man schon eine konkrete Spur jene „hochgelobte Frau“ betreffend, deren Güte in der Schrift ausdrücklich betont werde. Man untersuche derzeit deren mögliche Beziehung zum Opfer. Aus ermittlungstechnischen Gründen könne er der Öffentlichkeit jedoch noch nichts Genaueres mitteilen. Tristan Lenz